Immobilien-Rendite berechnen
Die Rendite entscheidet, ob eine Immobilie eine Kapitalanlage oder ein teurer Fehler ist. Sie in einer einzigen Prozentzahl auszudrücken klingt einfach — ist es aber nicht. Es gibt nicht die eine Immobilien-Rendite, sondern mehrere Kennzahlen, die unterschiedliche Fragen beantworten. Wer sie verwechselt, kauft auf Basis der falschen Zahl.
Dieser Leitfaden erklärt alle relevanten Renditekennzahlen, ihre Formeln und ihre Tücken — mit einer durchgehenden Beispielrechnung, an der du jede Kennzahl direkt nachvollziehen kannst.
1. Was ist Immobilien-Rendite?
Die Immobilien-Rendite ist das prozentuale Verhältnis aus dem jährlichen Ertrag einer Immobilie und dem dafür eingesetzten Kapital. Sie macht Immobilien unterschiedlicher Größe und Lage vergleichbar und beantwortet die Kernfrage jeder Kapitalanlage: Wie gut verzinst sich mein Geld?
Wichtig ist die Abgrenzung zum Cashflow. Die Rendite ist eine theoretische Bewertungskennzahl. Der Cashflow ist die reale monatliche Liquidität nach Zins und Tilgung. Eine Immobilie kann eine solide Rendite ausweisen und trotzdem jeden Monat Geld kosten — beides gehört in jede ehrliche Analyse.
2. Die 5 wichtigsten Renditekennzahlen im Überblick
| Kennzahl |
Beantwortet die Frage |
Bezugsgröße |
| Bruttomietrendite |
Wie teuer ist die Immobilie im Verhältnis zur Miete? |
Kaufpreis |
| Nettomietrendite |
Wie rentabel ist sie nach allen Kosten? |
Kaufpreis + Kaufnebenkosten |
| Eigenkapitalrendite |
Wie verzinst sich mein eingesetztes Eigenkapital? |
eingesetztes Eigenkapital |
| Gesamtkapitalrendite |
Wie arbeitet das Objekt unabhängig von der Finanzierung? |
Gesamtkapital (EK + FK) |
| Kaufpreisfaktor |
Nach wie vielen Jahresmieten ist der Kaufpreis refinanziert? |
Kaufpreis ÷ Jahresmiete |
Für diesen Leitfaden rechnen wir durchgängig mit demselben Beispielobjekt: eine Eigentumswohnung für 250.000 € Kaufpreis mit einer monatlichen Kaltmiete von 1.000 € (= 12.000 € Jahreskaltmiete).
3. Bruttomietrendite: der 30-Sekunden-Check
Die Bruttomietrendite ist die schnellste Kennzahl überhaupt:
Bruttomietrendite (%) = (Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100
Für unser Beispiel: 12.000 ÷ 250.000 × 100 = 4,8 %
Das ist die ehrlichste 30-Sekunden-Prüfung vor jeder weiteren Analyse. Ihre Schwäche: Sie ignoriert die Kaufnebenkosten und alle laufenden Kosten. Sie fällt deshalb immer zu optimistisch aus. Als alleinige Entscheidungsgrundlage taugt sie nicht — als schneller Filter, um uninteressante Objekte auszusortieren, ist sie ideal.
4. Nettomietrendite: der ehrliche Wert
Die Nettomietrendite ist die Kennzahl, mit der seriöse Investoren Objekte vergleichen:
Nettomietrendite (%) = ((Jahreskaltmiete − nicht umlegbare Kosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten)) × 100
Sie korrigiert die zwei größten blinden Flecken der Bruttorendite:
- Kaufnebenkosten — einmalig 10–15 % des Kaufpreises (siehe Abschnitt 9)
- Nicht umlegbare Bewirtschaftungskosten — Hausverwaltung, Instandhaltungsrücklage, Mietausfallwagnis
Für unser Beispiel:
- Jahreskaltmiete: 12.000 €
- Nicht umlegbare Kosten: 2.400 €
- Kaufpreis + Kaufnebenkosten (11,2 %): 250.000 € + 28.000 € = 278.000 €
Nettomietrendite = (12.000 − 2.400) ÷ 278.000 × 100 = 3,45 %
Aus 4,8 % Bruttorendite werden real 3,45 %. Dieser Abstand von mehr als einem Prozentpunkt ist typisch — und genau der Grund, warum Käufer, die nur brutto rechnen, regelmäßig zu teuer kaufen.
5. Eigenkapitalrendite: der Hebel der Finanzierung
Kaum jemand kauft eine Anlageimmobilie komplett aus Eigenkapital. Sobald eine Bank mitfinanziert, zählt für dich die Eigenkapitalrendite — die Verzinsung des Geldes, das du tatsächlich eingesetzt hast:
Eigenkapitalrendite (%) = ((Mietertrag − Fremdkapitalzinsen) ÷ eingesetztes Eigenkapital) × 100
Beispiel mit Finanzierung:
- Kaufpreis 250.000 €, davon 200.000 € Kredit
- Eingesetztes Eigenkapital: 50.000 € + 28.000 € Kaufnebenkosten = 78.000 €
- Jahreskaltmiete: 12.000 €
- Fremdkapitalzinsen: 7.000 €/Jahr
Eigenkapitalrendite = (12.000 − 7.000) ÷ 78.000 × 100 = 6,4 %
Die Bruttorendite lag bei 4,8 % — die Eigenkapitalrendite liegt bei 6,4 %. Das ist der Leverage-Effekt: Solange die Gesamtkapitalrendite über dem Kreditzins liegt, hebelt jeder Euro Fremdkapital die Eigenkapitalrendite nach oben. Dreht das Verhältnis (Zins über Gesamtkapitalrendite), wirkt der Hebel gegen dich.
6. Objektrendite & Gesamtkapitalrendite
Die Gesamtkapitalrendite (oft synonym mit Objektrendite verwendet) betrachtet die Immobilie unabhängig von der Finanzierung:
Gesamtkapitalrendite (%) = (Reinertrag ÷ Gesamtkapital) × 100
Der Reinertrag ist die Jahreskaltmiete abzüglich nicht umlegbarer Kosten (9.600 €), das Gesamtkapital die volle Investition inklusive Nebenkosten (278.000 €) — in unserem Beispiel also rund 3,45 %.
Ihr eigentlicher Nutzen: Sie ist die Vergleichsgröße zum Kreditzins. Liegt die Gesamtkapitalrendite über dem effektiven Finanzierungszins, arbeitet der Hebel für dich. Genau diese Gegenüberstellung trennt eine durchdachte Investition von einer Wette auf steigende Preise.
7. Kaufpreisfaktor: der Schnellcheck vor jeder Analyse
Der Kaufpreisfaktor (auch Vervielfältiger oder Mietmultiplikator) zeigt, wie vielen Jahreskaltmieten der Kaufpreis entspricht:
Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete
Beispiel: 250.000 ÷ 12.000 = 20,8
Er ist der Kehrwert der Bruttomietrendite und damit dieselbe Information in anderer Form — viele Profis denken aber lieber in Faktoren. Faustregel: unter 20 günstig, 20–25 marktüblich, über 25 ambitioniert.
8. Welche Rendite ist gut? Benchmark-Tabelle 2026
| Kennzahl |
schwach |
marktüblich |
stark |
| Bruttomietrendite |
< 4 % |
4 – 5 % |
> 5 % |
| Nettomietrendite |
< 3 % |
3 – 4 % |
> 4 % |
| Eigenkapitalrendite |
< 4 % |
4 – 8 % |
> 8 % |
| Kaufpreisfaktor |
> 28 |
22 – 28 |
< 22 |
Diese Werte sind Richtwerte für 2026. In Top-Lagen (München, Berlin, Hamburg) sind die Renditen strukturell niedriger und die Kaufpreisfaktoren höher — dort wird ein Teil der Gesamtrendite über die Wertsteigerung erwartet, nicht über die laufende Miete.
9. Renditefallen: Was Rechner gerne übersehen
Die häufigsten Fehler, die eine Renditeberechnung schönrechnen:
- Warmmiete statt Kaltmiete — Nebenkosten werden auf den Mieter umgelegt und gehören nicht in die Renditeformel.
- Kaufnebenkosten weglassen — 10–15 % des Kaufpreises: Grunderwerbsteuer, Notar, Makler. Siehe Kaufnebenkosten.
- Instandhaltungsrücklage ignorieren — realistisch 10–15 €/m²/Jahr.
- Mietausfallwagnis nicht ansetzen — Banken kalkulieren mit 2–5 % der Jahreskaltmiete.
- Tilgung mit Rendite verwechseln — Tilgung ist Vermögensaufbau, keine Rendite, belastet aber den Cashflow.
- Wertsteigerung als sicher annehmen — eine erhoffte Preissteigerung ist eine These, keine Kennzahl.
10. Schritt für Schritt: Exposé in 5 Minuten durchrechnen
- Eckdaten sammeln — Kaufpreis, Kaltmiete, Fläche, Baujahr aus dem Exposé.
- Kaufnebenkosten ermitteln — Grunderwerbsteuer des Bundeslands + Notar + Makler.
- Bruttomietrendite rechnen — Schnellcheck: unter 4 % meist nur mit Wertsteigerungsthese interessant.
- Nettomietrendite bestimmen — nicht umlegbare Kosten abziehen, gegen Gesamtinvestition rechnen.
- Finanzierung einrechnen — Zins, Tilgung, Eigenkapital ergeben Eigenkapitalrendite und Cashflow.
- Mit Benchmark abgleichen — Kennzahlen gegen die Richtwerte 2026 prüfen.
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