Was ist eine gute Mietrendite? Benchmark-Tabelle 2026
Die Frage "Was ist eine gute Mietrendite?" hat keine Antwort ohne Kontext. Eine 4-Prozent-Nettorendite ist in München 2026 sehr stark — in einem Dorf in der Uckermark möglicherweise unzureichend. Die Rendite muss immer relativ zu vier Faktoren bewertet werden: Lage, Objekttyp, Zinsniveau und Investorenziel.
Dieser Artikel liefert konkrete Benchmarks, erklärt den Einfluss des Zinsniveaus und zeigt, wann ein niedrig scheinender Wert trotzdem vertretbar ist.
Die entscheidende Frage: Brutto oder Netto?
Wenn jemand von "guter Rendite" spricht, muss zuerst klar sein, welche Kennzahl gemeint ist.
| Kennzahl |
Bedeutung |
Wann sinnvoll |
| Bruttomietrendite |
Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis |
Schnellcheck, Exposé-Filter |
| Nettomietrendite |
Nach Kaufnebenkosten + Bewirtschaftungskosten |
Vergleich, Kaufentscheidung |
Faustregel: Die Nettomietrendite liegt typischerweise 1 bis 1,5 Prozentpunkte unter der Bruttomietrendite. Wer also mit 5 % Brutto rechnet, landet realistisch bei 3,5 bis 4 % Netto.
→ Genau erklärt in Bruttomietrendite vs. Nettomietrendite
Benchmark-Tabelle 2026: Was gilt als gut?
Nettomietrendite
| Nettomietrendite |
Einordnung |
Typische Situation |
| ≥ 5,0 % |
Exzellent |
B-/C-Lage, Sanierungsobjekt, höheres Risiko |
| 4,0 – 5,0 % |
Stark |
B-Lage, guter Zustand |
| 3,5 – 4,0 % |
Marktüblich |
A-Stadt Randlage, B-Stadt gute Lage |
| 3,0 – 3,5 % |
Grenzwertig |
A-Lage mit Wertsteigerungsthese |
| < 3,0 % |
Schwach |
Im aktuellen Zinsumfeld kaum vertretbar |
Bruttomietrendite (als Einstiegsfilter)
| Bruttomietrendite |
Einordnung |
| ≥ 5,5 % |
Sehr günstige Bewertung — genau hinschauen |
| 4,5 – 5,5 % |
Gut |
| 4,0 – 4,5 % |
Akzeptabel |
| < 4,0 % |
Schwach — nur mit Wertsteigerungsthese |
Warum das Zinsniveau den Maßstab verschiebt
Die "gute" Mietrendite ist nicht absolut, sondern relativ zum risikofreien Zinssatz. Der Risikopuffer ist die Differenz zwischen Nettomietrendite und dem Kreditzins:
Risikopuffer = Nettomietrendite − effektiver Kreditzins
| Szenario |
Nettomietrendite |
Kreditzins |
Risikopuffer |
| Niedrigzinsphase (2020) |
3,5 % |
1,5 % |
+2,0 % — komfortabel |
| Aktuell (2026) |
3,5 % |
3,5 % |
0 % — kein Puffer |
| Hochzinsphase |
3,5 % |
4,5 % |
−1,0 % — negativer Hebel |
Im Zinsumfeld 2026 braucht eine Immobilie mindestens 3,5 bis 4 % Nettomietrendite, damit der Leverage-Effekt noch positiv wirkt. Wer bei 3 % Netto und 3,5 % Kreditzins kauft, zahlt mit jedem Euro Fremdkapital drauf — er setzt auf Wertsteigerung, ob er es weiß oder nicht.
Gute Rendite je nach Lagetyp: die Relativität
Dieselbe Nettorendite kann in verschiedenen Städten völlig verschieden zu bewerten sein:
| Lagetyp |
Typische Nettomietrendite |
Wertsteigerungserwartung |
Gesamtbeurteilung |
| München Toplage |
2,0 – 2,5 % |
Hoch (historisch) |
Niedrig-Rendite bewusst akzeptiert |
| Berlin Durchschnitt |
2,5 – 3,5 % |
Mittel bis hoch |
Wertsteigerungstrade |
| Hamburg Randlage |
3,0 – 4,0 % |
Mittel |
Balance |
| Leipzig gute Lage |
3,5 – 4,5 % |
Mittel bis stark |
Attraktiv |
| Hannover, Nürnberg |
4,0 – 5,0 % |
Moderat |
Solide Mietrendite |
| Chemnitz, Zwickau |
5,0 – 8,0 % |
Gering |
Reines Mietobjekt |
Die Grundregel: Je höher die Wertsteigerungserwartung einer Lage, desto niedrigere Mietrenditen akzeptieren Investoren — weil sie einen Teil der Gesamtrendite über Preissteigerung erzielen wollen. Dieses implizite Kalkül funktioniert nur, wenn die Wertsteigerungsthese eintrifft.
Gute Rendite je nach Objekttyp
| Objekttyp |
Typische Nettomietrendite |
Besonderheiten |
| ETW in WEG (Bestand) |
3,0 – 4,5 % |
WEG-Kosten drücken Rendite |
| Mehrfamilienhaus |
3,5 – 5,5 % |
Kein Hausgeld, mehr Einfluss |
| Neubau ETW |
2,5 – 3,5 % |
Höherer Kaufpreis, AfA-Vorteil (3 %) |
| Pflegeimmobilie |
4,0 – 5,0 % |
Höhere Risiken, langer Pachtvertrag |
| Gewerbeimmobilie |
4,5 – 7,0 % |
Höheres Leerstandsrisiko |
Das Referenzbeispiel: Was bleibt von 4,8 % Brutto übrig?
Objekt: 250.000 € Kaufpreis, 12.000 €/Jahr Kaltmiete = 4,8 % Bruttomietrendite
| Rechenschritt |
Ergebnis |
| Bruttomietrendite |
4,8 % |
| − Kaufnebenkosten (11,2 %) |
−0,85 Pkt. |
| − Bewirtschaftungskosten (Hausverwaltung, Instandhaltung, Leerstand) |
−0,5 Pkt. |
| Nettomietrendite |
≈ 3,45 % |
Diese 3,45 % Nettorendite ist im aktuellen Markt grenzwertig — ausreichend für eine A-Lage mit Wertsteigerungspotenzial, zu dünn für eine B-Lage ohne Puffer.
Die Faustregel: Was jeder Investor wissen sollte
- Unter 4 % Bruttomietrendite → Nur kaufen mit expliziter Wertsteigerungsthese
- Unter 3 % Nettorendite → Im aktuellen Zinsniveau kaum vertretbar
- Nettomietrendite − Kreditzins < 0 → Negativer Leverage — jeder Euro Kredit schadet der EK-Rendite
- Nettomietrendite − Kreditzins ≥ 1 % → Komfortabler Puffer für Risiken und Zinsänderungen
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