Bruttomietrendite vs. Nettomietrendite
Im Exposé steht meistens eine Renditeangabe. Diese Zahl ist fast immer die Bruttomietrendite — die freundlichere der beiden Kennzahlen. Wer kauft, ohne den Unterschied zu kennen, zahlt regelmäßig zu viel oder wundert sich hinterher, warum die Immobilie weniger abwirft als erwartet.
Dieser Artikel erklärt, was beide Kennzahlen messen, wie sie berechnet werden und wann man welche verwendet.
Definition: Bruttomietrendite
Die Bruttomietrendite ist das Verhältnis aus Jahreskaltmiete und Kaufpreis.
Formel: (Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100
Sie beantwortet die Frage: Wie teuer ist die Immobilie relativ zur Miete — ohne jede Kostenkorrrektur?
Was die Bruttomietrendite ignoriert
- Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler): typisch 10–12 % auf den Kaufpreis
- Hausverwaltungskosten
- Instandhaltungsrücklage
- Mietausfallwagnis (Leerstand)
Das macht sie zu einer Schnellkennzahl, nicht zu einer Entscheidungsgrundlage.
Definition: Nettomietrendite
Die Nettomietrendite korrigiert die beiden größten blinden Flecken der Bruttorendite.
Formel: ((Jahreskaltmiete − nicht umlegbare Kosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten)) × 100
Sie beantwortet die Frage: Wie rentabel ist die Immobilie wirklich, wenn alle Kosten eingerechnet sind?
Was "nicht umlegbare Kosten" bedeutet
Als Vermieter darfst du bestimmte Kosten per Betriebskostenabrechnung auf den Mieter umlegen (Heizung, Wasser, Müll etc.). Andere Kosten trägst du als Eigentümer selbst und kannst sie nicht weitergeben:
| Kostenart |
Umlegbar? |
Typischer Wert |
| Hausverwaltung |
Nein |
25–40 €/WE/Monat |
| Instandhaltungsrücklage |
Nein |
10–15 €/m²/Jahr |
| Mietausfallwagnis |
Nein |
2–5 % der Jahreskaltmiete |
| Heizkosten |
Ja |
Nicht in Renditeformel |
| Wasser/Abwasser |
Ja |
Nicht in Renditeformel |
| Grundsteuer |
Bedingt |
Meist umlegbar |
Direkte Gegenüberstellung: dasselbe Objekt, beide Formeln
Referenzobjekt: Eigentumswohnung, 250.000 € Kaufpreis, 1.000 €/Monat Kaltmiete (= 12.000 €/Jahr)
Bruttomietrendite
12.000 € ÷ 250.000 € × 100 = 4,8 %
Nettomietrendite
Schritt 1 — nicht umlegbare Kosten ermitteln:
- Hausverwaltung: 600 €/Jahr (30 €/Monat × 2, WEG-Verwaltung + Mietverwaltung)
- Instandhaltungsrücklage: 1.500 €/Jahr (25 €/m² × 60 m²)
- Mietausfallwagnis: 300 €/Jahr (2,5 % von 12.000 €)
- Summe: 2.400 €/Jahr
Schritt 2 — Kaufnebenkosten ermitteln:
- Grunderwerbsteuer (Bayern, 3,5 %): 8.750 €
- Notar + Grundbuch (1,7 %): 4.250 €
- Makler (3,57 %): 8.925 € (Käuferanteil nach Teilungspflicht)
- Notarreserve: ca. 6.075 €
- Summe Kaufnebenkosten: 28.000 € (= 11,2 %)
Schritt 3 — Nettomietrendite rechnen:
(12.000 − 2.400) ÷ (250.000 + 28.000) × 100
= 9.600 ÷ 278.000 × 100
= 3,45 %
| Kennzahl |
Wert |
| Bruttomietrendite |
4,8 % |
| Nettomietrendite |
3,45 % |
| Abstand (Spread) |
1,35 Prozentpunkte |
Der Spread von 1,35 Prozentpunkten ist für eine Eigentumswohnung in WEG-Struktur typisch. Bei Mehrfamilienhäusern ohne Hausgeld kann er kleiner ausfallen, wenn keine WEG-Verwaltung anfällt.
Wann nutze ich welche Kennzahl?
| Anwendungsfall |
Empfohlene Kennzahl |
| Schnellcheck beim Scrollen durch Exposés |
Bruttomietrendite |
| Vergleich zweier Objekte |
Nettomietrendite |
| Gespräch mit der Bank |
Nettomietrendite + Cashflow |
| Entscheidung kaufen/nicht kaufen |
Nettomietrendite (Mindestanforderung) |
| Portfoliorendite-Überblick |
Nettomietrendite oder Objektrendite |
Der häufigste Fehler: Exposé-Rendite als Grundlage nehmen
Wenn ein Exposé "Rendite 5,2 %" ausweist, ist das fast immer die Bruttomietrendite ohne Kaufnebenkosten. Die reale Nettorendite desselben Objekts liegt bei 3,5 bis 3,8 % — sofern keine weiteren Kostenposten ausgeblendet wurden.
Vertrau nie der Renditeangabe im Exposé. Rechne immer selbst.
Benchmark: Was gilt als gute Nettomietrendite 2026?
| Nettomietrendite |
Bewertung |
| ≥ 4,5 % |
Sehr stark |
| 3,5 – 4,5 % |
Marktüblich — solide Basis |
| 3,0 – 3,5 % |
Grenzwertig — braucht Wertsteigerungsthese |
| < 3,0 % |
Schwach — im aktuellen Zinsumfeld kaum rentabel |
→ Ausführliche Benchmarks nach Lage und Stadt: Was ist eine gute Mietrendite?
Jetzt selbst berechnen
RenditeStar berechnet Brutto- und Nettomietrendite automatisch aus einem Exposé-Link — ohne manuelle Eingabe.
→ Rendite berechnen
Weiterlesen