Positiver Cashflow Immobilie
Eine Anlageimmobilie mit positivem Cashflow funktioniert wie eine zweite Einnahmequelle: Die Miete deckt alle Kosten und wirft jeden Monat echtes Geld ab — ohne dass du zuschießen musst. Das ist das Ziel jedes Investors, der von passivem Einkommen lebt oder sein Portfolio skalieren will.
Die Frage ist, unter welchen Bedingungen positiver Cashflow überhaupt erreichbar ist — und welche Stellschrauben wirklich drehen.
Was heißt positiver Cashflow konkret?
Die Definition ist schlicht:
Cashflow > 0 €/Monat heißt: Kaltmiete − Zinsen − Tilgung − Bewirtschaftungskosten > 0
Das Objekt trägt nicht nur sich selbst — es generiert darüber hinaus freien Cashflow, der reinvestiert, gespart oder konsumiert werden kann. Jeder positive Euro erhöht die finanzielle Unabhängigkeit des Investors.
→ Zur Formel und vollständigen Berechnung: Cashflow Immobilie berechnen
Warum positiver Cashflow 2026 schwer ist
Das aktuelle Zinsumfeld macht positiven Cashflow bei klassischer 80-%-Finanzierung rechnerisch selten:
Unser Beispielobjekt (250.000 € Kaufpreis, 1.000 € Kaltmiete, 200.000 € Kredit):
| Position |
Monatlich |
| + Kaltmiete |
1.000 € |
| − Annuität (3,8 % Zins + 2 % Tilgung) |
−967 € |
| − Bewirtschaftungskosten |
−205 € |
| = Cashflow vor Steuern |
−171 € |
Bei 4,8 % Bruttomietrendite und 3,8 % Finanzierungszins ist das Cashflow-Ergebnis vor Steuern negativ. Das liegt daran, dass der Zins (3,8 %) nahe an der Mietrendite (4,8 %) liegt — der Abstand ist zu gering, um nach Bewirtschaftungskosten noch positiv zu sein.
Das war in der Niedrigzinsphase bis 2022 anders: Bei 1–1,5 % Finanzierungszins waren positive Cashflows auch bei Faktoren von 25 möglich. Diese Phase ist vorbei.
Die vier Stellschrauben für positiven Cashflow
1. Höheres Eigenkapital
Wer mehr Eigenkapital einsetzt, reduziert die Kreditrate — der stärkste Hebel für den Cashflow. Die Kreditrate sinkt linear mit dem Kreditbetrag.
Beispiel: Statt 200.000 € nur 100.000 € Kredit:
| Position |
Monatlich |
| + Kaltmiete |
1.000 € |
| − Annuität (100.000 € Kredit, 3,8 % + 2 %) |
−483 € |
| − Bewirtschaftungskosten |
−205 € |
| = Cashflow vor Steuern |
+312 € |
Mit 60 % Eigenkapital dreht der Cashflow deutlich ins Positive. Der Trade-off: Das gebundene Eigenkapital von 178.000 € (50 % EK + Nebenkosten) erzielt nur 2,1 % Eigenkapitalrendite — weit unter dem, was mit Fremdkapitalhebel möglich wäre.
→ Zum Leverage-Effekt: Eigenkapitalrendite, Leverage-Effekt
2. Bessere Finanzierungskonditionen
Jeder halbe Prozentpunkt weniger Zins verbessert den Cashflow bei 200.000 € Kredit um 83 €/Monat.
Wege zu günstigeren Konditionen:
- Bestehende Immobilien als Sicherheit einbringen (besseres LTV-Verhältnis)
- Lange Zinsbindung bei erwartetem Zinsanstieg
- Mehrere Banken anfragen und Konditionen vergleichen
- DSCR verbessern, um als kreditwürdiger eingestuft zu werden
3. Objekt mit höherer Mietrendite
Je höher die Mietrendite, desto mehr Puffer für Zinsen und Kosten. Die Faustregel: Ein Objekt mit Bruttomietrendite über 6 % hat bei 80 % Finanzierung und normalem Zinsniveau die besten Chancen auf positiven Cashflow.
Rechenbeispiel: Gleiches Beispielobjekt, aber günstigerer Kaufpreisfaktor (Faktor 17 statt 20,8):
- Kaufpreis: 204.000 € (17 × 12.000 €)
- Kredit: 163.000 €
- Annuität (3,8 % + 2 %): 787 €/Monat
| Position |
Monatlich |
| + Kaltmiete |
1.000 € |
| − Annuität |
−787 € |
| − Bewirtschaftungskosten |
−185 € |
| = Cashflow vor Steuern |
+28 € |
Knapp positiv — realistisch in B- und C-Lagen mit Kaufpreisfaktor unter 18. In A-Lagen (München, Hamburg, Berlin) mit Faktoren von 30–40 ist das ohne erhebliches Eigenkapital nicht erreichbar.
4. Niedrigere Tilgungsrate
Wer statt 2 % nur 1 % tilgt, reduziert die monatliche Kreditrate um 167 € — und dreht den Cashflow ins Positive.
| Tilgungsrate |
Kreditrate (200.000 €, 3,8 % Zins) |
Cashflow vor Steuern |
| 1 % |
800 € |
−5 € (fast neutral) |
| 2 % |
967 € |
−171 € |
| 3 % |
1.133 € |
−338 € |
Der Haken: Niedrige Tilgung schiebt Risiken in die Zukunft. Nach 10 Jahren Zinsbindung ist die Restschuld bei 1 % Tilgung noch 183.000 € statt 166.000 € — und die Anschlussfinanzierung muss zu dann geltenden Zinsen abgeschlossen werden.
Positiver Cashflow nach Steuern — die realistischere Kennzahl
Für Investoren mit höherem Grenzsteuersatz verbessert sich das Bild durch steuerliche Effekte erheblich. Zinsen und AfA (Abschreibung) sind als Werbungskosten absetzbar:
Aus dem negativen Cashflow von −171 €/Monat wird nach Steuern (42 % Grenzsteuersatz) oft ein positiver Wert — weil die Steuerersparnis aus AfA und Zinsenabzug den negativen Cashflow überkompensiert.
→ Detaillierte Steuerrechnung: Cashflow vor & nach Steuern bei Immobilien
Wann ist positiver Cashflow überhaupt wichtig?
Nicht jeder Investor braucht positiven Cashflow:
Positiver Cashflow ist entscheidend für Investoren, die...
- vom passiven Einkommen leben oder einen Einkommensstrom aufbauen wollen.
- ihre Immobilien ohne steuerliche Optimierung halten (z. B. in niedrigen Steuerklassen).
- ihr Portfolio schnell skalieren wollen, ohne monatliche Zuzahlungen stemmen zu müssen.
- bei einer Bankfinanzierungsanfrage einen DSCR > 1,2 nachweisen müssen.
Leicht negativer Cashflow kann vertretbar sein für Investoren, die...
- hohe Grenzsteuersätze haben und erhebliche steuerliche Vorteile realisieren.
- auf Wertsteigerung in A-Lagen setzen und die Zuzahlung als "Sparbeitrag" verstehen.
- ausreichend Liquiditätspuffer haben, um Leerstände und Sonderausgaben zu überbrücken.
→ Mehr dazu: Negativer Cashflow Immobilie — wann er sich trotzdem lohnt
Benchmark: Was ist ein guter Cashflow?
| Cashflow vor Steuern |
Bewertung |
| > +300 €/Monat |
Exzellent — Objekt generiert echten passiven Einkommensstrom |
| +1 bis +299 €/Monat |
Gut — Objekt trägt sich selbst mit Puffer |
| −1 bis −150 €/Monat |
Neutral — vertretbar bei guten Steuervorteilen und Wertsteigerungsthese |
| −151 bis −400 €/Monat |
Schwach — nur mit starken steuerlichen Vorteilen vertretbar |
| < −400 €/Monat |
Kritisch — hohe Abhängigkeit von Steuervorteil und Wertsteigerung |
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