Erste Immobilie als Kapitalanlage kaufen
Der Kauf der ersten Anlageimmobilie ist einer der größten Finanzierungsschritte im Leben der meisten privaten Investoren. Gleichzeitig ist er einer der am häufigsten falsch gemachten — weil Emotion und fehlende Kalkulation die Zahlen verdecken.
Dieser Leitfaden führt Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess: von der Eigenkapitalprüfung über die Objektauswahl bis zur Finanzierung und dem Notartermin.
Schritt 1: Eigenkapital und Finanzierungsrahmen klären
Bevor du ein einziges Exposé öffnest, musst du wissen, was du dir leisten kannst — und was nicht.
Faustregel für Anlageimmobilien:
Banken erwarten bei vermieteten Objekten typischerweise 20–30 % Eigenkapital auf den Kaufpreis plus die gesamten Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln.
Beispielrechnung für ein 250.000-€-Objekt:
| Position |
Betrag |
| 20 % Eigenkapital auf Kaufpreis |
50.000 € |
| Kaufnebenkosten (11,2 %) |
28.000 € |
| Mindest-Eigenkapital |
78.000 € |
| Kreditbedarf |
200.000 € |
Achte darauf: Bei Anlageimmobilien rechnen Banken den DSCR (Schuldendienstdeckungsgrad) — sie prüfen, ob die Mieteinnahmen den Kapitaldienst decken. Ein DSCR über 1,1 gilt als komfortabel.
Kläre frühzeitig mit einer Bank oder einem Finanzierungsvermittler deine Kreditfähigkeit. Lass eine unverbindliche Grundsatzzusage einholen, bevor du tiefe Analysen investierst.
Schritt 2: Zielmarkt und Objekttyp festlegen
Die Lage entscheidet langfristig mehr als das Objekt selbst. Für Einsteiger gilt: Kaufe keine Immobilie in einer Lage, die du nicht kennst oder die du nicht regelmäßig bereisen kannst.
Kriterien für die Lagewahl:
- Stabile oder wachsende Bevölkerungszahl
- Niedriger Leerstand (unter 3 %)
- Breite Arbeitgeberstruktur (kein Einzel-Arbeitgeber-Ort)
- Ausreichendes Mietpreisniveau für positive Nettomietrendite
Objekttypen für Einsteiger:
| Objekttyp |
Vorteil |
Nachteil |
| ETW in MFH |
geringer Aufwand, liquider Markt |
Eigentümergemeinschaft, Hausgeld |
| Kleines MFH (2–4 WE) |
bessere Nettomietrendite |
mehr Verwaltung, mehr Kapital |
| Neubauwohnung |
wenig Instandhaltung |
niedriger Anfangsrendite |
| Bestandswohnung |
oft bessere Rendite |
Substanzprüfung notwendig |
Für den ersten Kauf empfiehlt sich in der Regel eine bereits vermietete Eigentumswohnung im Bestand — du weißt sofort, was du bekommst, und sparst dir den Stress der Erstvermietung.
Weiterlesen: Eigentumswohnung als Kapitalanlage
Schritt 3: Objekte screenen — der Schnellfilter
Auf ImmoScout24 und Immowelt findet man täglich Hunderte neue Angebote. Du brauchst einen schnellen Filter, bevor du Zeit in die Detailanalyse investierst.
Schnellfilter-Formel:
Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete
Liegt der Kaufpreisfaktor über 25, ist eine Nettomietrendite über 3 % kaum noch erreichbar. Solche Objekte scheidest du ohne weitere Analyse aus — es sei denn, du hast eine klar begründete Wertsteigerungsthese.
Bruttomietrendite = (Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100
Unter 4 % Bruttomietrendite gibt es in der Regel zu wenig Puffer für alle anfallenden Kosten.
Beispiel-Screening für unser Standardobjekt:
- Kaufpreis: 250.000 €, Kaltmiete: 1.000 €/Monat
- Jahreskaltmiete: 12.000 €
- Kaufpreisfaktor: 20,8 ✔
- Bruttomietrendite: 4,8 % ✔
Dieses Objekt würde die Schnellfilter-Hürde nehmen und in die Detailanalyse kommen.
Schritt 4: Detailanalyse — die echten Zahlen
Für Objekte, die den Schnellfilter bestehen, geht es jetzt um die ehrliche Rechnung.
Nettomietrendite berechnen:
| Position |
Betrag |
| Jahreskaltmiete |
12.000 € |
| − Hausverwaltung |
−600 € |
| − Instandhaltungsrücklage (10 €/m²/J bei 75 m²) |
−900 € |
| − Mietausfallwagnis (3 %) |
−360 € |
| Nicht umlegbare Kosten gesamt |
−1.860 € |
| Bereinigter Mietertrag |
10.140 € |
| Gesamtinvestition (250.000 + 28.000 €) |
278.000 € |
| Nettomietrendite |
3,65 % |
Zum Verständnis dieser Kalkulation: Nettomietrendite erklärt.
Monatlicher Cashflow (mit Finanzierung):
| Position |
Monat |
| Kaltmiete |
+1.000 € |
| Nicht umlegbare Kosten |
−155 € |
| Zins (3,5 % auf 200.000 €) |
−583 € |
| Tilgung (2 % auf 200.000 €) |
−333 € |
| Monatlicher Cashflow |
−71 € / Monat |
Ein leicht negativer Cashflow ist bei der ersten Immobilie häufig. Die Tilgung ist kein Verlust — sie baut Eigenkapital auf. Entscheidend ist, dass du diesen Betrag monatlich aus anderen Einnahmen stemmen kannst.
Mehr zum Thema: Cashflow bei Immobilien berechnen.
Prüfe außerdem für Eigentumswohnungen:
- Hausgeld und nicht umlegbarer Anteil
- Beschlüsse der letzten 3 WEG-Protokolle (geplante Sonderumlagen?)
- Instandhaltungsrücklage der Gemeinschaft (wie gut befüllt?)
- Baujahr und energetischer Zustand
Schritt 5: Finanzierung verhandeln
Hole mindestens drei Finanzierungsangebote ein — direkte Bankgespräche und ein unabhängiger Finanzierungsvermittler (z.B. Interhyp, Baufi24).
Wichtige Finanzierungsparameter:
| Parameter |
Empfehlung für Einsteiger |
| Zinsbindung |
10–15 Jahre (Anschlussrisiko minimieren) |
| Anfangstilgung |
mind. 2 % |
| Sondertilgungsrecht |
5–10 %/Jahr vereinbaren |
| Beleihungsauslauf (LTV) |
max. 80 % |
Zum LTV und Beleihungsauslauf.
Stresstest: Rechne durch, was bei 1 % höherem Zinssatz bei der Anschlussfinanzierung in 10–15 Jahren passiert. Kannst du die höhere Rate noch stemmen? Ist der DSCR noch über 1,0?
Schritt 6: Due Diligence und Kaufvertrag
Bevor du unterschreibst:
- Substanzprüfung — Besichtige das Objekt nicht nur einmal. Lass einen Bausachverständigen mitgehen, wenn du unsicher bist.
- Mietvertrag prüfen — Bestandsmieter genießen Kündigungsschutz. Prüfe Mietpreisbremse, Indexmiete oder Staffelmiete.
- Kaufvertragsentwurf — Lass ihn vor dem Notartermin prüfen. Achte auf Gewährleistungsausschlüsse ("gekauft wie gesehen").
- Grundbuchauszug — Prüfe auf Belastungen, Dienstbarkeiten und Wohnrechte.
Der Notar ist gesetzlich verpflichtet, den Vertrag neutral zu gestalten — er ist kein Berater für deine Interessen. Dafür brauchst du entweder Erfahrung oder professionelle Unterstützung.
Häufige Fehler beim ersten Immobilienkauf
| Fehler |
Konsequenz |
| Kaufnebenkosten ignorieren |
Rendite wird um ~1 % überschätzt |
| Instandhaltung zu niedrig ansetzen |
Cashflow bricht bei erstem Schaden ein |
| Wertsteigerung einkalkulieren |
Rendite basiert auf Spekulation statt Fakten |
| Zu hohes Darlehen (LTV > 85 %) |
Bank verweigert oder stellt Sicherheiten ab |
| WEG-Protokolle nicht gelesen |
Sonderumlage kommt als böse Überraschung |
Alle typischen Risiken im Detail: Risiken bei Immobilien als Kapitalanlage
Die erste Renditeanalyse in unter einer Minute
Statt Exposé-Daten manuell in eine Tabelle zu tippen, kopiere einfach den ImmoScout24- oder Immowelt-Link in RenditeStar. Das Tool zieht Kaufpreis, Miete und Fläche automatisch und rechnet Brutto-, Netto-, Eigenkapitalrendite sowie den Cashflow durch.
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