Hausgeld kalkulieren
Wer eine Eigentumswohnung als Kapitalanlage kauft, zahlt monatlich Hausgeld an die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG). Dieser Betrag ist nicht identisch mit den Nebenkosten, die der Mieter zahlt — und genau dieser Unterschied entscheidet, wie viel vom Hausgeld deine Rendite belastet.
Der häufigste Fehler: Investoren legen das gesamte Hausgeld auf den Mieter um — und wundern sich über die Jahresabrechnung.
Was ist das Hausgeld?
Das Hausgeld ist der monatliche Vorauszahlungsbetrag, den jeder Wohnungseigentümer an die WEG leistet. Die WEG verwendet ihn für:
- Laufende Betriebskosten des Gemeinschaftseigentums (Versicherungen, Aufzug, Hausmeister, Treppenhausreinigung, Wasser der Gemeinschaftsflächen)
- Verwaltungskosten (Hausverwaltungsgebühr, Bankkontoführung, Rechnungsprüfung)
- Instandhaltungsrücklage (Ansammlung für künftige Sanierungen)
Das Hausgeld ist also nicht gleich Nebenkosten — es enthält Kosten, die du nie auf deinen Mieter weitergeben kannst.
Umlegbar vs. nicht umlegbar
Die Betriebskostenverordnung (BetrKV) legt abschließend fest, welche Kosten als Nebenkosten auf Mieter umgelegt werden dürfen. Entscheidend: Verwaltungskosten und Instandhaltung sind nicht umlegbar.
Umlegbare Kosten (BetrKV Anlage 1)
| Kostenart |
Umlegbar |
| Grundsteuer |
Ja |
| Wasserversorgung und Entwässerung |
Ja |
| Aufzug (Strom + Wartung) |
Ja |
| Straßenreinigung und Müllabfuhr |
Ja |
| Gebäudereinigungs- und Schädlingsbekämpfung |
Ja |
| Gartenpflege |
Ja |
| Beleuchtung Gemeinschaftsflächen |
Ja |
| Gebäudeversicherung |
Ja |
| Hausmeister (Reinigungsanteil) |
Ja |
| Gemeinschafts-TV/Kabelanschluss |
Teilweise |
Nicht umlegbare Kosten
| Kostenart |
Umlegbar |
| Hausverwaltungsgebühr |
Nein |
| Instandhaltungsrücklage (WEG) |
Nein |
| Kontoführungsgebühren der WEG |
Nein |
| Kostenrechtsberatung und Gerichtskosten WEG |
Nein |
| Leerstandskosten (bei eigengenutzter Einheit) |
Nein |
Merksatz: Alles, was der Werterhaltung oder der Verwaltung der Gemeinschaft dient, ist nicht umlegbar.
Wie hoch ist das Hausgeld in der Praxis?
Das Hausgeld variiert stark je nach Ausstattung des Gebäudes, Alter und Lage:
| Gebäudetyp |
Typisches Hausgeld |
Nicht umlegbarer Anteil |
| Neubau (< 10 Jahre) |
2,50–3,50 €/m²/Monat |
25–30 % |
| Bestandswohnung (10–30 Jahre) |
3,00–4,50 €/m²/Monat |
30–35 % |
| Altbau mit Aufzug (> 30 Jahre) |
4,00–5,50 €/m²/Monat |
35–45 % |
Bei einem Gebäude mit Tiefgarage, Hausmeister und Aufzug liegt das Hausgeld am oberen Rand der Spanne.
Vollständige Beispielrechnung
Objekt: 70 m² Eigentumswohnung, Bestandsgebäude, Hausgeld 320 €/Monat
Aufschlüsselung des Hausgelds
| Position |
Monatlich |
Umlegbar? |
| Grundsteuer (anteilig) |
55 € |
Ja |
| Wasser + Abwasser |
35 € |
Ja |
| Gebäudeversicherung |
20 € |
Ja |
| Aufzug |
18 € |
Ja |
| Müllentsorgung |
22 € |
Ja |
| Gartenpflege |
12 € |
Ja |
| Beleuchtung Gemeinschaft |
8 € |
Ja |
| Hausmeister |
25 € |
Ja |
| Summe umlegbar |
195 € |
|
| Hausverwaltungsgebühr |
65 € |
Nein |
| Instandhaltungsrücklage WEG |
60 € |
Nein |
| Summe nicht umlegbar |
125 € |
|
| Hausgeld gesamt |
320 € |
|
Nicht umlegbarer Anteil: 125 € von 320 € = 39 %
Auswirkung auf die Nettomietrendite
Diese 125 € monatlich (1.500 €/Jahr) trägt der Eigentümer selbst — unabhängig davon, ob ein Mieter im Objekt ist.
Bei einem Kaufpreis von 250.000 € und 12.000 € Jahreskaltmiete bedeutet dieser Posten allein schon eine Renditeminderung von:
1.500 ÷ 278.000 × 100 = 0,54 Prozentpunkte
Das ist ein erheblicher Brocken — und der Grund, warum Nettomietrenditen fast immer mehr als einen Prozentpunkt unter der Bruttomietrendite liegen.
Was tun vor dem Kauf?
Bevor du kaufst, solltest du folgende WEG-Unterlagen anfordern und prüfen:
- Wirtschaftsplan des laufenden Jahres — zeigt geplante Einnahmen und Ausgaben
- Jahresabrechnung der letzten 2–3 Jahre — zeigt tatsächliche Ist-Kosten und Rücklagenstand
- Rücklagenentwicklung — ist die Instandhaltungsrücklage ausreichend oder wird sie bald deutlich erhöht?
- Protokolle der letzten WEG-Versammlungen — zeigen geplante Maßnahmen, Sonderumlagen und Konflikte
Warnsignal: Eine sehr niedrige Instandhaltungsrücklage (unter 50.000 € bei einem 10-Parteienhaus) deutet darauf hin, dass in naher Zukunft eine Sonderumlage kommen könnte. Diese Sonderumlage ist nicht in deiner laufenden Kalkulation, belastet aber den Cashflow erheblich.
Hausgeld vs. Instandhaltungsrücklage
Das Hausgeld enthält die Zuführung zur WEG-Instandhaltungsrücklage — aber das reicht oft nicht aus. Als Kapitalanleger solltest du zusätzlich eine eigene Instandhaltungsreserve bilden, um auf Reparaturen innerhalb der Wohnung (Elektrik, Sanitär, Böden) vorbereitet zu sein, die nicht über die WEG abgedeckt werden.
Wie du diese Reserve berechnen solltest, erklärt der Leitfaden Instandhaltungsrücklage berechnen.
Hausgeld und Steuern
Das nicht umlegbare Hausgeld ist als Werbungskosten bei Vermietung und Verpachtung steuerlich absetzbar — soweit die Positionen eindeutig zuzuordnen sind. Das bedeutet: Hausverwaltungskosten und die Zuführung zur Rücklage mindern dein steuerpflichtiges Einkommen aus V+V.
Für eine korrekte Zuordnung und Deklaration empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater.
→ Immobilie vollständig kalkulieren — alle 12 Schritte
→ Instandhaltungsrücklage berechnen — eigene Reserve richtig planen
→ Kaufnebenkosten berechnen
→ Renditeanalyse starten